... als Chorleiter verabschiedet (30.07.2004)
Rund 70 Sänger und passive Mitglieder des Vereins haben sich eingefunden um an einer ganz besonderen Grillfeier, der Abschiedsfeier, dem Ehrenabend für unseren scheidenden Dirigenten, Helmut Reitmeir sen., teilzunehmen. Der Wettergott hat es mehr als gut gemeint, und wir konnten in Gottes freier Natur, im wunderbaren Garten unseres Vorstandes Albert Metzger, bis in die frühen Morgenstunden sitzen. Der Abend entwickelte sich dann auch zu einer Veranstaltung ganz besonderer Art.
Begleitet und untermalt von traditioneller Blasmusik, Sigis kleiner Blaskapelle, gestalteten Sänger, prominente Gäste, darunter Bürgermeister Klaus Flüß und der Vorstand des Sängerkreises Landsberg, Ernst Steckenleiter, ein gut zweistündiges Programm, das in verschiedenen Auftritten das Sängerleben und die Verdienste von Helmut Reitmeir nachzeichnete.
Vorstand Albert Metzger eröffnete den Abend mit einer launigen Begrüßungsrede und ehrte unseren Dirigenten mit einer Dankurkunde, in der im Namen der Sänger die Verdienste um den Verein und den Chorgesang gewürdigt werden. Dem Freund und langjährigen Wegbegleiter, Hans Kübler sen., war es vorbehalten, in einem witzigen, bisweilen nachdenklichen und immer mit viel Herz und Gefühl dargebrachten Vortrag aus Gesang und Gedichtform Erlebnisse aus dem Leben Helmuts um Gesang und Musik darzubringen. Eine Festrede wie sie treffender nicht sein konnte: "Ja d`Musik is sei Freid, wann`s hell erklingt und a da Männerchor, wann er schö singt. Blosn und`s Singa dazu, dös is sei Leb`n. Für ihn kann`s auf dera Welt nix schöner`s mehr geb`n."
Bürgermeister Klaus Flüß setzte nun den Ehrenreigen fort. Er würdigte die Verdienste von Helmut Reitmeir bei den Sängern, aber auch sein Engagement in den anderen Bereichen wie Kirchenchor, Blasmusik, Viergesang und als Gemeinderat. Für seinen beispiellosen Einsatz für die Gemeinde zeichnete er ihn mit der Goldenen Ehrennadel der Gemeinde Pürgen aus. Einer Ehrung, die bisher nur wenigen Mitbürgern zuteil wurde. Klaus Flüß fand in seiner Laudatio die passenden Worte und konnte sich der Zustimmung aller Besucher sicher sein.
Das war es nun an Ehrungen, dachte man sich, und wollte sich wieder der Unterhaltung widmen. Vielleicht noch ein oder zwei Liedchen durch den Chor. Denkste. Ein Mitsänger meldete sich zu Wort - nein er meldete sich nicht, er stand einfach da, nicht zu übersehen in seiner imposanten Gestalt und zog sogleich die Aufmerksamkeit auf sich. Gerhard Katzmeier. In einem rasanten, ausdrucksstarken Vortrag, selbstironisch aber auch selbstbewusst über eigene Stärken und (kleine) Schwächen, referierte er im freien Vortrag, bot Helmut den Einsatz im 2. Bass als Sänger an, stichelte über die Sangesleistung anderer Stimmen und zeigte dabei in treffender Form die alltäglichen Geschehnisse zwischen dem Dirigenten und den Sängern während einer Chorprobe nach. Ein fabelhafter Einsatz der ebenso überraschend kam, wie er hinterher verdientermaßen viel und herzlichen Beifall erhielt.
Ein Barde meldete sich nun zu Wort. Hans Kübler jun., Derküblerhans, kündigte an, er habe ein Lied für den neuen Dirigenten vorzutragen, der komme aber nur sehr kurz vor, so mit ein bis zwei Zeilen, weil er auch erst so kurz bei uns ist. Auf die Melodie von "Alice", ein bekannter Schlager, dichtete er einige treffende Zeilen, in welchen sowohl die Leiden eines Chorleiters, als auch die kleinen Sticheleien zwischen den Stimmen des Chores zum Ausdruck gebracht wurden. Ein klasse Vortrag, zur Freude aller Gäste aber ganz besonders als Dank für den Helmut und ein würdiger Abschluss eines rundum gelungenes Fest in einem lockeren, gemütlichen Rahmen mit vielen gelungenen Einlagen.
Ein Leben für Gesang und Musik
Kurzportrait über Helmut Reitmeir sen.
Geboren wurde Helmut Reitmeir am 05.07.1931 in Pürgen.
Bereits 1948, als mit der Glockenweihe für die Dorfkirche St. Georg, durch den damaligen Hauptlehrer, Alfons Gebauer, der Liederkranz nach der "Zwangspause" des 2. Weltkrieges wieder aktiviert wurde, trat Helmut Reitmeir als 17 jähriger dem Männerchor als aktiver Sänger bei.
Schon mit 23 Jahren übernahm er 1954 als junger Mann das Amt des 2. Vorstandes und wurde im Jahre 1964 zum 1. Vorstand gewählt. In dieser Funktion führte er den Verein dreißig Jahre lang bis 1994 und erwarb sich in dieser Zeit eine große Reputation. Neben seiner Führungsaufgabe an der Spitze des Männerchores wirkte er von 1955 bis 1961 als Kassier. Noch während seiner Vorstandstätigkeit griff er im Jahre 1992 zum Dirigentenstab und übernahm damit auch die musikalische und künstlerische Verantwortung für den Männerchor. Das Handwerkszeug für diese verantwortungsvolle kulturelle Aufgabe hat er sich als Autodidakt und passionierter Musiker und Sänger selbst beigebracht. Zur Unterstützung und Weiterbildung besuchte er in Bad Feilnbach Chorleiterseminare und nahm regelmäßig an den Sänger- und Chorleiterschulungen des Sängerkreises Landsberg teil.
Helmut Reitmeir hat den Männergesangverein Liederkranz Pürgen e.V. mit seinem nun 60 jährigen Wirken unterstützt, geführt und geleitet wie kein Zweiter. Er hat diesen Verein geprägt.
Mit viel Gespür dafür, welche Lieder zum Chor passen, und mit feinem Sinn für einen gefühlvollen, ausdrucksstarken Vortrag hat er als Chorleiter ein Repertoire eingeübt, mit dem der Männerchor über die Grenzen des Kreises hinaus als Kulturträger und Bewahrer und Förderer volkstümlichen Liedgutes den Namen Pürgens würdig vertritt.
In der Vereinschronik ist dazu folgendes zu lesen:
"Mit Helmut Reitmeir sen. wechselte ein begeisterter Sänger und Autodidakt 1992, nach dreißig Jahren der Vereinsführung vor das Dirigentenpult. Als er 1949 in den Verein eingetreten ist, hat er von Anfang an Ehrenämter wahrgenommen. Er hat immer Verantwortung getragen, ist stets mit gutem Beispiel vorangegangen und hat über Jahre auch zwei Funktionen ausgefüllt. Als Chorleiter übernahmt er ein gutes Erbe seines Vorgängers Harald Berktold, das er bis zum heutigen Tag nicht nur gut verwaltet. Er hat den Chor mit sicherem Gespür für singbare Literatur weiterentwickelt und geformt. Durch sein Engagement und sein Einfühlungsvermögen gelingt es ihm immer wieder, die Sänger zu hohen Leistungen zu führen."
Sein Engagement im Gemeinderat, sein nahezu fünfzigjähriges Wirken als Sänger und Chorleiter des Kirchenchores, sein aktives musizieren in der Pürgener Blasmusik und nicht zu vergessen, sein langjähriges Mitwirken im Pürgener Viergesang, runden sein Lebenswerk für Gesang und Musik, für die ländliche bayerische Kultur und die Repräsentation des Gemeindenamens Pürgens im Oberland ab.